Nicht allzuviel von «schöner, blauer» Donau

Bericht Donaufahrt 2019
RC Breite Basel vom
6. bis 14. Juli: Ingolstadt–Passau

Unsere Fahrt führte uns von Basel per Bahn über Karlsruhe–Nürnberg–München nach Ingolstadt.

Ingolstadt ist eine kreisfreie Grossstadt an der Donau im Freistaat Bayern mit 138.181 Einwohnern (Stand: 31. Dezember 2018). Im Grossraum leben rund eine halbe Million Menschen. Ingolstadt ist nach München die zweitgrösste Stadt Oberbayerns und nach München, Nürnberg, Augsburg und Regensburg die fünftgrösste Stadt Bayerns. Die Stadt überschritt 1989 die Marke von 100.000 Einwohnern und zählt seitdem zu den Grossstädten in Deutschland. Ingolstadt ist nach Regensburg die zweitgrösste deutsche Stadt an der Donau und gehört zu den am schnellsten wachsenden Städten in Deutschland. Ingolstadt wurde am 13. März 1472 Sitz der ersten Universität in Bayern, die sich später als Zentrum der Gegenreformation profilierte. Hier gründete sich 1776 auch der freidenkerische Illuminatenorden. Für gut 400 Jahre war die Stadt bayerische Landesfestung. Im Jahr 806 erstmals erwähnt, befindet sich hier eine weitgehend erhaltene historische Altstadt.

Im Hotel Adler fanden wir Unterkunft um am Morgen mit Taxis in Vohburg unsere Schiffe startklar zu machen, die von Valerio, Brigitte und André Stalder mit dem Transporter und dem Bootsanhänger vom AWS Birsfelden hierher chauffiert wurden.

 

Sonntag, 1. Etappe: Ingolstadt–Kehlheim, 28 km

Bei strömendem Regen stellten wir den Bock (Flaschenzug) auf, um die Schiffe abzuladen, zu wassern und auszurüsten. Die ersten 23 Kilometer, zirka vier Stunden, konnten wir unsere Regenschütze testen und danach für den Rest der Donaufahrt im Rucksack verstauen.

Im Kloster Weltenburg angekommen, gings an die Tische zum Mittagshalt, natürlich zum dunklen und hellen Bier, gebraut in der Klosterbrauerei seit 1050, die älteste Klosterbrauerei der Welt. Das Weltenburger Barock Dunkel ist fast so berühmt wie seine Heimat. Seit Menschengedenken erfreuen sich Besucher und Einheimische an dem dunklen Gerstensaft. Er ist süffig, vollmundig und besitzt eine feine Würze. Nach entsprechender Reife gelangt er über eine Pipeline aus dem Felsenkeller der Brauerei direkt zu uns (Kloster Weltenburg) in den Zapfhahn. Die Klosterbrauerei ist die älteste noch existierende Klosterbrauerei der Welt. In ihrer heutigen Erscheinung ist sie ein technisches Schmuckstück, das die Besonderheiten – eigenes Juraquellwasser und ein uraltes Braurezept aus benediktinischer Tradition – in einem perfekten Produktionsprozeß zu geschmacklicher Geltung bringt. Das letzte Bierglas geleert, die «Haxe» verdrückt, gings weiter Richtung Kehlheim vorbei an der Einsiedelei Klösterl, uriges Wirtshaus, durch die Weltenburger Enge (Donaudurchbruch). Links oben die Befreiungshalle, errichtet im Andenken an die gewonnenen Schlachten gegen Napoleon während der Befreiungskriege in den Jahren von 1813 bis 1815. Auftraggeber des Baus war König  Ludwig I. von Bayern. Die Stadt liegt am Ausgang des Donaudurchbruchs unterhalb des Michelsberges an der Mündung der Altmühl in die Donau, demnach kurz hinter der Stelle, an der die Donau die Fränkische Alb durchquert. Sie ist die Kreisstadt des gleichnamigen Landkreises im Regierungsbezirk Niederbayern und liegt an Donau und Main-Donau-Kanal zwischen Ingolstadt und Regensburg. Überragt wird Kelheim von der Befreiungshalle, die auf einem Bergsporn zwischen Donau- und Altmühltal liegt. Übernachtet haben wir im Gasthof Berzl in Kehlheim.

Montag, 2. Etappe: Kehlheim–Regensburg, 31,6 km Nach der Weiterfahrt am Morgen trafen wir nach 3 km auf die Mündung des Main-Donau-Kanals, ab hier ist die Donau Bundeswasserstrasse. Der Kanal ist knapp 170 km lang, wurde von 1960 bis 1992 erbaut und war bereits damals in seiner Sinnhaftigkeit höchst umstritten. Von 1960 bis 1992 wurden umgerechnet rund 2,3 Milliarden Euro in den Bau der Wasserstrasse investiert. Bis zum Mittagsrast im Brauereigasthof Berghammer haben wir rund 17 km zurückgelegt. Hier gabs frische Brezn und natürlich wieder hell und dunkel nach belieben … Nach weiteren rund 15 km erreichten wir den Regensburger Ruderverein, wo wir unser Material versorgen konnten und die Schiffe gut gesichert waren. Regensburg (von lateinisch Castra Regina; auch Ratisbona und Ratispona) ist die Hauptstadt des Regierungsbezirks Oberpfalz mit Sitz der Regierung der Oberpfalz wie auch des Landrats des Landkreises Regensburg und eine kreisfreie Stadt in Ostbayern. Seit dem 13. Juli 2006 gehört die weitgehend erhaltene Regensburger Altstadt samt Stadtamhof mit ihren historischen Ensembles und Baudenkmälern zum UNESCO-Welterbe. Die Stadt hat 150.894 Einwohner (31. Dezember 2017) und steht damit nach München, Nürnberg und Augsburg an vierter Stelle unter den Grossstädten des Freistaates Bayern. Sie ist Bischofssitz der Diözese Regensburg, hat drei Hochschulen und ist eines der 3 Regionalzentren in Bayern. Im Hotel Kaiserhof am Dom zu Regensburg haben wir zwei Nächte verbracht, da sich keine geeignete Übernachtungsmöglichkeit nach der Tagesetappe mit den Schiffen ergeben hat.

Kraftwerkpassage über eine «Rutsche» mal was anderes als Rollen … funktioniert perfekt

Die Weidlinge im Nachtlager in Regensburg

 

Dienstag, 3. Etappe: Regensburg–Kraftwerk Geisling, 28,5 km Wir fuhren jeweils mit Taxis von und zu den Schiffen beim Kraftwerk Geisling, das Material konnten wir in unserem Transporter verstauen. Bei der Durchfahrt durch Regensburg passierten wir die Fussgängerbrücke "Steinerne Brücke" mit dem Baubeginn 1135 ist sie die älteste erhaltene Brücke Deutschlands und gilt als ein Meisterwerk mittelalterlicher Baukunst. Bei ihrer Eröffnung war sie die einzige Donaubrücke zwischen Ulm und Wien. Beim km 2368,7 befindet sich die Gedenkstätte Walhalla, auf Veranlassung König Ludwigs I. errichtet, eröffnet im Jahre 1842. Ein mühsamer, unendlicher Treppenaufgang um ein paar Gipsfiguren zu besichtigen … jedem das seine; aber immerhin über der Donauebene mit Weitblick ein genüssliches Bier zum Abschluss …

Bereit für den Aufstieg zur Walhalla

Denn warte mr halt …

Mittwoch, 4. Etappe: Kraftwerk Geisling–Straubing, 27 km

Die nächste Etappe führte uns nach Straubing. Idyllisch an der Donau gelegen – zwischen Regensburg und Passau – und nahe am Bayerischen Wald empfängt Straubing seine Besucher mit einer eindrucksvollen Stadtsilhouette. Jeder der Türme, die schon von fern den Reisenden grüssen, erzählt ein Stück Stadtgeschichte. Und die hat immerhin schon vor mehr als 2000 Jahren begonnen, menschliche Siedlungsspuren reichen fast 8000 Jahre zurück. Die Kelten haben sich etwa zwei Jahrhunderte vor Christus in der fruchtbaren Donauebene, dem Gäuboden, angesiedelt, gefolgt von den Römern und den frühen Bayern. Sie alle haben ihre Spuren hinterlassen, so zum Beispiel goldene Münzen, prachtvolle römische Rüstungen, eleganten bajuwarischen Schmuck.

Das Hotel Gäubodenhof am Theresienplatz hat uns Gastfreundschaft geboten.

Donnerstag, 5. Etappe: Straubing–Deggendorf, 36 km

Nach der Abfahrt bei der Strassenbrücke Straubing, mit 47.000 Ew. die grösste Stadt im Gäuboden und seit 2017 Universitätsstadt. Links Mündung des Schleusenkanals vom Kraftwerk Straubing. Hier gibt es einen Kilometersprung (zirka 6 km) durch Abtrennung einer ehemaligen Flussschleife. Unser nächster Etappenort die Stadt Deggendorf. Sehenswerte Stadt mit 32.700 Ew; im Jahr 2013 von einem verheerenden Hochwasser verwüstet. Weit ins Mittelalter zurück reicht der birnenförmige Stadtgrundriss von Deggendorf. Mitten hindurch zieht sich der breite Strassenmarkt mit dem alten Stadthaus mit seinem mächtigen gotischen Turm.

Hier bot uns das Stadthotel Deggendorf am Östlichen Stadtgraben Unterkunft.

Eine ungewohnte Festbindemöglichkeit bei der Mittagsrast

Eine wacklige Angelegenheit beim Mittagshalt …

Nachtlager für die Schiffe beim Deggendorfer Ruderclub

Freitag, 6. Etappe: Deggendorf–Vilshofen, 35 km

Auf der letzten Etappe auf dem Wasser passierten wir nach zirka 3 km die Mündung rechts der Isar in die Donau, sie ist 292 km lang und zählt zu den beliebtesten Kanugewässern Bayerns. Da sich der Etappenort Vilshofen auf das grosse Feuerwerk «Donau in Flammen» vorbereitet hat, mussten wir einen andern Abrüstplatz suchen um unsere Schiffe aufzuladen. Das haben wir gefunden und problemlos gemeistert und als der letzte Spanngurt am Anhänger und den Schiffen verknotet war, ergoss sich ein Gewitterregen über unser Material. Das konnte uns aber nicht mehr ärgern, da wir bereits einen Unterstand gefunden hatten und das wohlverdiente Bier bestellt war. Nach dem Bezug des Hotels in Vilshofen und einem gemütlichen Nachtessen gingen wir das grosse Feuerwerk mit Musik geniessen.

https://www.youtube.com/watch?v=XCQbjfm9TBQ

(starten und Feuerwerk geniessen!)

Hochwassermarken an der neu erstellten Schutzmauer von Hofkirchen, unser Abrüstplatz

Sie sind wieder aufgeladen und abfahrbereit, sie haben ihren Dienst geleistet …

Buch der Weisheit …

Auch einer der das Feuerwerk «Donau in Flammen» geniessen möchte …

 

Samstag, Taxifahrt nach Passau

Passau ist eine Stadt in Bayern an der Grenze zu Österreich am Zusammenfluss der Flüsse Donau, Inn und Ilz. Erste keltische Siedlungen gab es schon in der La Tène-Zeit auf dem Altstadthügel. Die dort gelegene keltische Siedlung Bojodurum wurde im 1. nachchristlichen Jahrhundert von den Römern zerstört. Dafür errichteten die Römer am Inn auf der gegenüberliegenden Seite zwei Lager. Auf der Halbinsel zwischen Donau und Inn selbst wurde das Kastell Batavis errichtet. Der Name stammt von den dort stationierten germanischen Söldern vom Stamm der Bataver. Aus Batavis entwickelte sich allmählich der heutige Name Passau. Im Jahr 476 haben die Römer die Region verlassen. Die Bajuwaren errichteten auf der Halbinsel eine Herzogsburg. Im Jahr 739 wurde Passau zum Bischofssitz, zu dieser Zeit wurde auch das Kloster Niedernburg gegründet, welche über große Ländereien im Einzugsbereich der Ilz verfügte. Im 11. Jh. war dort Gisela, Schwester des Kaisers Heinrich III. und Witwe des Königs von Ungarn Äbtissin. Als 999 vom Kaiser die weltliche Herrschaft über die Stadt dem Passauer Bischof übertragen wurde, endete die Vorherrschaft des Klosters. 1217 wurde Passau zum Fürstbistum. Das Kloster Niedernburg, das dem Bischof 1161 von Friedrich I. Barbarossa geschenkt wurde, wurde zum Sitz des Fürstbistums. Passau erhielt 1225 Stadtrechte verliehen. Es gab mehrere Aufstände der Bürger gegen die Herrschaft der Fürstbischöfe, zuletzt 1367/68, die aber allesamt scheiterten. Andererseits entwickelte das Bistum einen beträchtlichen Wohlstand und weckte immer wieder Begehrlichkeiten bei den Nachbarn Bayern und Österreich. 1552 wurde in der Stadt der Passauer Vertrag geschlossen, der ein Wegbereiter für die Tolerierung der Konfessionen im Augsburger Religionsfrieden war. Die Stadt wurde mehrmals von Überschwemmungen und Bränden heimgesucht. 1662 legte ein Brand die gesamte Stadt in Schutt und Asche. Italienische Baumeister bauten die Stadt danach wieder auf und gaben der Stadt ihr heutiges südländisch anmutendes barockes Aussehen. Passaus Zeit als selbständiges Fürstentum endete mit der Säkularisation 1803, wodurch es zu Bayern kam. 1821 wurde die Stadt wieder Bischofssitz. Seit 1978 ist Passau Universitätsstadt. Nach dem Besuch und Rundgang auf der Herzogsburg begaben wir uns in die Stadt Passau. Ein Teil hat mit einem Schiff eine Rundfahrt unternommen und Passau vom Wasser aus besichtigt, andere haben einen Besuch der vielen Sehenswürdigkeiten in der Stadt vorgezogen. Nach einem feinen Nachtessen begaben wir uns in die Unterkunft im Hotel Garni Herdegen um am Sonntag morgen den Gang auf den nahen Bahnhof anzutreten. Mit der Heimreise per Bahn über München–Karlsruhe–Basel endete eine erlebnisreiche Fernfahrt 2019.

Ich möchte auch an dieser Stelle den Hauptverantwortlichen für die tadellose Organisation den besten Dank aussprechen:

Hansruedi Mohler, Dominik Meier, Valerio Stalder